Heartland & die Großen Seen

Die Farmer im Mittleren Westen der USA behaupten, in warmen Sommernächten den Mais wachsen zu hören. Denn in Staaten wie Oklahoma, Kansas, Illinois, Nebraska oder Iowa wächst mehr Mais als irgendwo sonst auf der Welt. Doch auch die Wolkenkratzer von Chicago gehören zum Mittelwesten. Seinen schlechten Ruf als Heimat von Al Capone und John Dillinger hat Chicago längst abgelegt. Heute ist die Stadt vor allem wegen ihrer eindrucksvollen Skyline und Architektur interessant. Chicago hat die schönsten Gebäude der USA, der gewaltige Willis Tower gehört zu den höchsten Gebäuden der Welt. Wie eine dunkle Nadel ragt er aus dem Loop, einem durch die Schienen der Hochbahn gebildeten Ring, der sich über beinahe vierzig Blocks erstreckt. Innerhalb des Loop spielt sich das geschäftliche Leben ab.

Faszinierende Prärie im Heartland

Touristisch gehört der Mittelwesten nicht gerade zu den hochfrequentierten Reisezielen. Doch wer das „Smalltown America“, das ursprüngliche, ländliche Amerika kennenlernen will, ist hier richtig.

Oklahoma, das ehemalige Indian Territory, ist immer noch Indianerland und bietet eine Vielzahl von Museen und kulturellen Zentren. Vor dem Kapitol der Hauptstadt Oklahoma City erhebt sich die Statue einer Indianerin, im National Cowboy & Western Heritage Museum wird der Wilde Westen in zahlreichen Ausstellungen lebendig, darunter eine ganze Westernstadt.

Iowa bezaubert mit verträumten Dörfern und Farmen, historischen Holzkirchen und überdachten Brücken. Kansas ist für seine Prärielandschaften bekannt. Für manch erfahrenen Amerikareisenden ist diese Prärie von Kansas eine der fasziniernensten Landschaften der USA – der unendlich erscheinenden Weite wegen. Dodge City und Abilene, heute fast verschlafene Kleinstädte, erinnern auf reizende Weise an die turbulenten Zeiten des Wilden Westens.

Nebraska ist vor allem wegen seiner historischen Bedeutung interessant: Der legendäre Oregon Trail führte durch den Staat. Der Chimney Rock, ein Felsen aus braunem Sandstein, gehörte zu den markanten landschaftlichen Merkmalen an der Wagenstraße.

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Die Großen Seen

Ein Meer gibt es im sogenannten mittleren Westen - obwohl man sich geographisch gesehen immer noch eher im Nordosten der USA befindet - nicht. Doch die Großen Seen sind so riesig und groß, dass man unweigerlich das Gefühl hat, an einem Ozean zu sitzen. Um ein Gefühl für die Dimensionen zu bekommen: der Bodensee, Deutschlands größter See, kommt auf eine Fläche von etwa 540 km². Der Lake Superior, nur einer der fünf großen Seen (!), kann mit 82.100 km² dagegen halten. Man hat also in der Regel keine Chance, von einem Ufer an das andere zu sehen, da die Seen unvorstellbar groß sind.

Wisconsin wurde maßgeblich durch deutsche Einwanderer geprägt, die zahlreiche Farmen in dem fruchtbaren Land errichteten und Bier und Käse zu einem wichtigen Exportartikel machten. Milwaukee ist für seine Brauereien, die Harley-Davidson-Motorradwerke und das supermoderne Art Museum berühmt. Das Door County im Norden erinnert mit seinen romantischen Dörfern an New England.

Minnesota, das „Land der 10.000 Seen“, wird von einem Netz aus Flüssen und Seen durchzogen und gilt als eines der bevorzugten Urlaubsgebiete an den Großen Seen. Die Zwillingsstädte („Twin Cities“) Minneapolis/St. Paul sind durch den Mississippi River getrennt. „Minny“ ist eine geschäftige Großstadt mit gläsernen Bürotürmen, St. Paul ist ruhiger und gediegener und eher für seine historischen Gebäude bekannt. Nur ein paar Minuten außerhalb der Zwillingsstädte, in Boomington, liegt die Mall of America - die größte Mall der Vereinigten Staaten. Der Voyageurs National Park mit seiner ungestörten Natur reicht bis zur Kanada-Grenze.

Michigan zerfällt in zwei Halbinseln – die Lower Pensinsula mit ihren romantischen Küstengebieten und dem kommerziellen Zentrum Detroit und die Upper Pensinsula mit urwüchsiger Natur. Mackinac Island erhebt sich wie ein Juwel aus dem Lake Huron, jenseits der eindrucksvollen Hängebrücke, die das untere mit dem oberen Michigan verbindet. Autos und Motorräder sind auf der Insel nicht zugelassen, die einzigen Fortbewegungsmittel sind Pferdekutschen und Fahrräder. Detroit versucht derzeit nach den harten Zeiten der Wirtschaftskrise wieder an die goldenen Tage des Auto-Booms anzuknüpfen. Nur mit dem Buschflieger oder dem Kanu erreicht man die Natur im abgelegenen Isle Royale National Park.

Nur ein schmaler Küstenstreifen im Norden von Indiana stößt an den Lake Michigan. Zu den Highlights von Indianapolis gehört der Indianapolis Motor Speedway, auf dem am Memorial Day die „Indianapolis 500“ stattfinden, eines der größten Autorennen der Welt.

Auch Ohio bezaubert abseits der Interstates mit romantischen Farmen und versteckten Dörfern, die bedeutenden Industriezentren liegen jedoch in den beiden großen Städten. Cincinnati war schon zu Zeiten Mark Twains ein bekannter Handelsplatz, inzwischen ist es auch für sein Künstlerviertel Mount Adams bekannt. Cleveland verdankte seinen Fortschritt bis nach dem Zweiten Weltkrieg den Stahlwerken und erfand sich als Entertainment- und Kultur-Metropole neu. Seit 1995 gehört das Rock and Roll Hall of Fame and Museum, die „Ruhmeshalle des Rock ’n’ Roll“, zu den Highlights der Stadt.

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Route 66

Das Art Center in Chicago ist nicht nur für seine Sammlung moderner Kunst bekannt, denn die beiden Löwen vor dem Eingang bewachen außerdem den Beginn der legendären Route 66, für Nostalgiker noch immer eine Attraktion.

Die Route 66, bis zur Errichtung der kreuzungsfreien Interstates in den sechziger Jahren die bedeutendste Straße der USA, führt durch das ländliche Illinois nach St. Louis, Missouri. Von dort verläuft die Straße durch Kansas und Oklahoma, bevor sie Richtung Osten durch Texas, New Mexico, Arizona weiter bis zum Endpunkt im kalifornischen Los Angeles verläuft. 

Bis heute übt diese legendäre Straße eine unglaubliche Faszination aus. Ob man die Route 66 per Motorrad, Mietwagen oder Camper entdecken möchte, ist letztlich eine reine Geschmackssache. Man kann sich aber in jedem Fall sicher sein, auf den zum Teil menschenleeren Etappen ein Gefühl der Freiheit zu bekommen, nach dem sich viele Fans der Route 66 sehnen.

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